15.02.2013

Wege der Zukunft?

Mit meinem Projektbüro proreg biete ich Kommunen und Regionen ein kompetentes Umsetzungsmanagement an der Schnittstelle zwischen Wandertourismus und Regionalentwicklung. Dieser Artikel beschreibt einen innovativen Blickwinkel, mit dem große regionale Wanderwege für konsequent nachhaltige regionale Kreisläufe gestärkt und neue sozioökonomische Muster in Gang gebracht werden können. (Sie finden den Beitrag auch unter "Regionalentwicklung" auf der Website www.proreg.de .)

Genossenschaftlich oder als Gemeingut organisierte Wanderwege - Instrumentarium zukunftsfähiger Regionalwirtschaft

"... Wo die Wanderung zum Produkt, der Weg zur Marke umdefiniert wird, wird die Landschaft mit ihrem jeweiligen Charakter und ihrer Eigenart zur austauschbaren Kulisse. Und du als Wanderer wirst zum bloßen Kunden degradiert. Auf dem "Trendmarkt Wandern" zählt nur noch deine Kaufkraft. ..." So formuliert Ulrich Grober, Autor des Bestsellers "Vom Wandern", seinen Blickwinkel in einem Vortrag im Sommer 2012. Nicht ohne eine denkwürdige Alternative für das "Marketing" zertifizierter Wanderwege anzubieten, das sich in einer Nische jenseits des rein ökonomisch ausgerichteten Marktes bewegen könnte: "... Heute diskutiert man weltweit über die Rückkehr der "commons", der Gemeingüter. Ist nicht ein Weg ein klassisches, das klassische Gemeingut?"












Am 1. Wandersymposium der Lüneburger Heide, das im Juni 2012 zur Eröffnung des  Heidschnuckenwegs von Hamburg nach Celle stattfand, konnte ich zwar nicht teilnehmen, doch freundlicherweise ließ mir Ulrich die öffentliche Rede zukommen, um mir seinen innovativen Gedanken vorzustellen. - Grober ist ein Visionär und einmal mehr, wie so oft in seinen Publikationen und Büchern, die neben dem Wandern geradezu eine Gesamtschau ökologischer Lebensstile thematisieren, regt er zu neuen Perspektiven an. Seine Überlegung, einen zertifizierten Weg als Gemeingut zu entwickeln, mag auf den ersten Blick auf Unverständnis treffen, auf den zweiten aber zeigt sie eine mögliche, eine denk- und realisierbare Formatierung auf.

Von Ulrich Grobers Fokussierung angeregt, habe ich mir im letzten Jahr die groben Konturen der Idee, einen Wanderweg als "common" zu konzipieren, einmal näher betrachtet und konzeptionelle Überlegungen dazu angestellt, die ich mir auch für den Neckarsteig zwischen Wimpfen und Heidelberg - zu dieser Zeit noch auf der Suche nach einer Organisationsform - gut hätte vorstellen können. Generell stellt sich für unsere zertifizierten Wanderwege, insbesondere die großen "Regionalwege" ja mehr und mehr die Frage, wie sie sich auf dem immer ausgetreteneren, teils auch durch planerische Unsensibilität überfüllten deutschen Wandermarkt positionieren lassen und wie man ihre Qualitätsentwicklung dauerhaft koordinieren könnte; nicht selten fehlt das Bewusstsein und oft schlichtweg der Etat für Wegemanagement und Marketing. Schon aus diesem Blickwinkel heraus könnte eine neue Form von Trägerschaft den ein oder anderen Regionalweg in eine neue Zielrichtung lenken.












Meine Vision, ein Scenario: Eine große zertifizierte Regionalroute wird als Gemeingut oder ein eng daran angelehntes Format entwickelt und von einer breiten Bürgerschaft sowie engagierten regionalen Unternehmern getragen. Die Idee der "commons" hat viele Überschneidungen zu bürgergenossenschaftlichen Organisationsformen, die sich - wenngleich bislang erst selten praktiziert - auch als starke Alternativen im Tourismus und Marketing erweisen, gerade durch ihre Orientierung zur Gemeinschaftlichkeit und Solidarität, die sich im Rahmen der Stadt- und Regionalentwicklung mit ihren kommunalen oder regionalen Wirtschaftskreisläufen sehr gut umsetzen lässt. Folglich bietet sich die Überlegung an, einen großen Regionalweg - nennen wir diesen hier einmal "Regio-Steig" - als Projekt einer eingetragenen Genossenschaft (eG) aufzubauen.

Ein regionaler Zertifikatsweg kann, bürgergenossenschaftlich oder gemeingutwirtschaftlich entwickelt werden, um erstens realisierbare Optionen für Qualitätsentwicklung, Wegemanagement und Vermarktung anzubieten, zweitens um das Produkt durch eine solidarische Zuständigkeits- und Leistungsgemeinschaft zu stärken, drittens um dieses Produkt, den Weg also, optimal als Instrumentarium für regionale Wirtschaftskreisläufe nutzen zu können, wobei nicht der Wachstumsgedanke überbetont, sondern ökonomische Stabilität und gesellschaftliché Lebensqualität als zukunftsfähige Ziele definiert werden.

 

16.01.2013

Vulkanexkursion auf dem "Katzensteig"

Im Jahr 2012 wurde im südlichen Odenwald der so genannte "Katzensteig" eingerichtet und im Gelände markiert. Es handelt sich um eine 26 km lange Wanderroute, die von Eberbach über Waldbrunn bis Neckargerach führt. Der Wanderweg, der im Frühjahr 2013 offiziell vorgestellt wird, soll den Kriterien des Deutschen Wanderverbandes entsprechen. Highlight der Strecke ist der 626 m ü. NN hohe Katzenbuckel, der höchste Berg des Odenwaldes mit spektakulärer vulkanischer Vergangenheit.

Als Zweitagesroute, mit Übernachtung in Waldbrunn, eignet sich der "Katzensteig" gut, aber auch als Tagestour, aufgrund immenser Steigungen - mit 500 Meter Höhenunterschied zwischen Neckartal und Hoher Odenwald - dann eher für geübte Ausdauerwanderer. Man kann in Eberbach oder in Neckargerach starten. Da beide Neckartalkommunen an die S-Bahn angeschlossen sind, ist die Wanderung zum jeweiligen Ausgangspunkt problemlos auch ohne Pkw organisierbar.

Wer eine Wanderung am "Katzensteig" mit einer Geoexkursion am Katzenbuckel verknüpfen will, kann sich hierfür schon heute die folgenden Termine anstreichen: Jeweils sonntags zwischen 10 und 12 Uhr finden am 21.04., am 09.06. und am 28.07.2013 Führungen mit dem Geowissenschaftler Michael Hahl im Auftag der Gemeinde Waldbrunn statt. Auf einer Strecke von 1,5 km können Sie bei mehreren Kurzvorträgen die erdgeschichtlichen Geheimnisse des Vulkanrelikts entdecken: Steinbrüche, Gipfelfelsen und viele aufschlussreiche Spuren im Gestein.

Weitere Infos und Kosten erfahren Sie bei der Tourist Information Waldbrunn sowie in den Terminkalendern auf www.waldbrunn-odenwald.de und www.proreg.de. Ab Spätsommer gibt es weitere Exkursionstermine. Wandergruppen können die Führung auch individuell buchen.

14.01.2013

Wandern im Süden

Eine neue Broschüre der Tourismus Marketing Baden-Württemberg zeigt eine Auswahl der schönsten Wanderrouten im Land. Darin werden einige der als Premium- oder Qualitätswege zertifizierten Tagestouren und Mehrtagesstrecken vorgestellt, zu denen natürlich auch der Neckarsteig zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen gehört. Höhenprofile, Piktogramme und Routenbeschreibungen machen die Broschüre, die derzeit auf der Stuttgarter CMT präsentiert wird, zu einem attraktiven Guide, um sich einen Überblick zu den Wanderhighlights Baden-Württembergs zu verschaffen.

(Foto: Pressebereich der TMBW-Homepage)

08.01.2013

Wandertourismus im Norden Baden-Württembergs

Zukünftig überregionale Vermarktung

Taufrisch ist die Kooperationsvereinbarung, welche die sieben Tourismusgemeinschaften im Norden Baden-Württembergs gestern unterzeichneten. Neue Marketingpläne sollen zukünftig nicht allein die Wanderangebote, sondern auch das Radfahren und die Themenschwerpunkte Wein und Kultur überregional kommunizieren und ein gemeinsames Werbebudget generieren.

Mit der Tourismuskooperation Nördliches Baden-Württemberg stehen nun neben den hiesigen Tourismusgemeinschaften "Odenwald" (TGO) und "Kurpfalz" auch die Verbände "Heilbronner Land", "Hohenlohe", "Hohenlohe-Schwäbisch Hall", "Liebliches Taubertal" und "Kraichgau-Stromberg" gemeinsam am Start.

11.12.2012

"Qualitätsnetzwerk Wanderkompetenz"

Wanderplanung zwischen Wegesystem und Markenbildung

(Entwurf)

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Der Ausgangspunkt der Wanderweg-Zertifizierung liegt in den empirischen Gästebefragungen, die in den 1990er Jahren vorgenommen und ausgewertet wurden, sowie in der Idee, zeitgemäße und professionelle Qualitätsentwicklung in die Wanderplanung einzubringen. Erstmals hielt eine spezielle Wander- und Trendforschung Einzug in den Wandertourismus. Diese Entwicklungen sind eng mit dem Namen Rainer Brämer verbunden. Deutscher Wanderverband und Deutsches Wanderinstitut waren und sind die Instanzen, die diesen Weg Schritt für Schritt weitergingen.

Seit den 90ern ist viel passiert. Etliche zertifizierte Wege sind entstanden; zunächst die Mehrtagesstrecken, die dazu dienen können, eine ganze Region zu vermarkten und als Destination attraktiver zu machen. Dann hob sich der Trend zu Eintagestouren (mit etwa 8 bis 15 Kilometer) wiederum aus der Matrix der großen Steige hervor und "Traumschleifen", "Extratouren" oder anderweitig benamte zertfizierte Tagesrundwege ergänzten das Bild. Durchaus ohne die zuvor errungenen Entwicklungen aufzuweichen: die großen Wandermarken im Mehrtagesformat behielten ihre imagekommunikative Regionalbedeutung bei.

Ein gewisses Risiko für die Markenbildung ergab und ergibt sich durch die Masse allzu vieler neuer Steige; gegen die Aufweichung der Gütezeichen wirkte und wirkt wiederum ein Ranking im interregionalen Wettbewerb, das sich vor dem Hintergrund professioneller Qualitätsentwicklung, sicherlich auch stark vom Marketing beeinflusst, herausbildete.

Eine der aktuelleren Entwicklungen ist der Vorstoß zur wandertouristischen "Qualitätsregion", die man als neue "Innenverdichtung" begreifen könnte: es geht darum, den Wanderwegebestand in der Fläche (wieder und weiter) zu optimieren. Dabei muss sicherlich nicht jeder verbesserte Wegeabschnitt ein gesondertes Zertifikat erhalten, zumal Exklusivität ja durch Quantität ad absurdum geführt wird.

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Wenn man sich die Entwicklung auf dem Wandermarkt anschaut, kann man heute zwei Entwicklungen beobachten, die nach wie vor dabei sind, sich miteinander zu arrangieren: Einerseits sieht man die Zertifizierung vieler neuer (langer und kurzer) Wege, andererseits müssen gerade die Wandervereine, aber im Grunde genommen auch die regionalen Touristiker, bemüht sein, eine verstehbare, in sich logische und abgestimmte Struktur des Wegenetzes zu gewährleisten:

Neue Wegetypen wollen in ein flexibles infrastrukturelles System eingebunden sein, ohne dass die Markenbildung besonderer Prädikatswege dadurch ausgebremst würde. Auch ein gewisser interkommunaler Wettbewerb - also zwischen Gemeinden, die sich bei der Ausweisung von qualitativ hochwertigen Wegen hervortun - kann die Gesamtentwicklung einer Wanderregion stärken und sollte durch allzu strikt vorgegebene Richtlinien nicht zwangsläufig unterbunden, aber möglichst fachlich begleitet werden. - Vereinheitlichung versus Markenbildung: eine Gratwanderung.

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Wagen wir ein Brainstorming: Ein denkbarer Ausweg aus der skizzierten Ambivalenz wäre darin zu finden, erstens das gesamte Wegenetz in der Fläche qualitativ zu optimieren, zweitens eine Hierarchie der Wegequalität zuzulassen und Markenbildung durchaus zu fördern, drittens diese Kombination in eine flexible, sowohl horizontale (flächenhafte) wie vertikale (hierarchische) Struktur zu bringen.

Interessante Ansätze findet man hierzu beispielsweise in einem 2012 erschienenen Positionspapier des Schwarzwaldvereins: http://schwarzwaldverein.de/cms_upload/files/_wege/positionspapier_wege_120612.pdf

Doch bei dem erforderlichen Klassifizierungs- und Lenkungsprozess wird noch eine weitere Kraft, der freie Markt der Kommunen und der Touristiker nämlich, immer wieder Dynamik ins Spiel bringen, neue Herausforderungen schaffen. Und, nicht zu vergessen, auch die Trends entwickeln sich weiter, die Rahmenbedingungen wandeln sich, die Karten werden aufs Neue gemischt. Man muss sich auf dem mittlerweile schnelllebigen Wandermarkt mit einer flexiblen Zielausrichtung arrangieren, mit einem "dynamischen Gleichgewicht", das von Zeit zu Zeit immer wieder einmal innovative Veränderungen mit sich bringen wird.

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Was man daher gut brauchen könnte, ist eine vernetzte regionale Plattform unterschiedlicher Handlungs- und Entscheidungsträger, die auf - nicht zu starre - einheitliche Strukturen achtet und dabei Wanderforschung und Trends unmittelbar im Auge behält. Die Wandervereine können hier nach wie vor viel leisten, allerdings sind unter den heutigen Bedingungen einer individualisierten Wissensgesellschaft - und hier muss die Perspektive des oben genannten Positionspapiers durchaus noch erweitert werden - auch vereinsfreie Wanderkompetenz, unternehmerische Professionalität, interaktives Customer Relationship Management sowie Tourismusmarketing und Trendforschung in ein regulierendes Netzwerk einzubeziehen.

Also ein "Qualitätsnetzwerk Wanderkompetenz": eine regionale Kommission aus Experten, Interessierten und Interessenvertretern, die ihre Vorstellungen, ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen in "Wander-Workshops" und anderen partizipatorischen Foren abwägen, empirisch abgleichen und in maßgebliche Leitbilder einordnen kann. Neue Strukturen der Wanderwege benötigen neue Organisationsformen in der Wanderplanung. Lockere Communities ersetzen zu eng gewordene Vereinsbindungen. Dynamische Entwicklungen brauchen moderierte Kommunikation. Vielfalt braucht Rundumblick.

Die Vision: Auf der Gratwanderung zwischen Vereinheitlichung und Markenbildung, zwischen traditionellen Strukturen und innovativer Dynamik, bahnt ein interaktives "Qualitätsnetzwerk Wanderkompetenz" den Weg zum regionalen Wandermarkt 2.0.

20.11.2012

Neckarsteig oder Neckarweg?

Wanderwegentwirrung am blauen N

Moment mal ... Wieso sieht man denn am Heidelberger Schloss die Markierung eines "Neckarwegs" im Gelände, wo man sich doch vermeintlich am "Neckarsteig" befinden sollte? Weg oder Steig - ja, was denn nun? Der mit regionalspezifischer Wanderkompetenz verständlicherweise etwas weniger ausgestattete Gast könnte sich hier beim Wandern etwas wundern. Die Verwechslungsgefahr hält sich zwar einigermaßen in Grenzen, aber um etwaige Wirrungen am Wanderweg weiter einzudämmen, wollen wir der Neckarsteig-Neckarweg-Verwunderung hier einmal auf den Grund gehen.

Der im Jahr 2004 eingeweihte "Neckarweg" verläuft von der Quelle des Flusses, im Naturschutzgebiet Schwenninger Moos, bis zur Mannheimer Rheinmündung. Sie finden ihn hier: http://www.schwaebischer-albverein.de/wandern/wanderwege/weitwanderwege/neckar/neckar.html
Im Rahmen dieser Wegeplanung wurde dann auch eine Teilroute im Odenwälder Flusstal als "Neckarweg" markiert; an eine zertifierbare Auswahl der Strecke war damals nicht gedacht.

Die späterhin aufgekommene Idee eines "Neckarsteigs" ist dagegen eine andere: Man wollte, so lautete die im Jahr 2008 von Timo Bracht vorgetragene Vision, eine Wanderroute zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen auf hohem Qualitätslevel schaffen, um sich auf dem Deutschlandmarkt möglichst weit oben positionieren zu können und die Schönheiten des Neckartals in seinem Odenwälder Verlauf hervorzuheben. Dafür war selbstverständlich von Anfang an auch ein Zertifikat - unklar zunächst noch, ob als "Premiumweg" oder als "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" - vorgesehen. Die alte "Neckarweg"-Route hätte den erforderlichen Qualitätskriterien auf keine Fall entsprochen; sie verlief in großen Anteilen an den nicht selten asphaltierten Uferwegen des Flusses entlang. Im Januar 2012 wurde schließlich der nach Kriterien des Deutschen Wanderverbands zertifizierte "Neckarsteig" auf der Stuttgarter CMT seiner Bestimmung übergeben. Sie finden ihn hier: http://neckarsteig.de/

Heute ersetzt die "Neckarsteig"-Route auf der Strecke Heidelberg-Wimpfen den zuvor ausgewiesenen Odenwälder "Neckarweg"-Abschnitt. Man könnte also auch sagen: Der "Neckarsteig" ist der zertifizierte Teil des überrgionalen "Neckarwegs" zwischen Schwenninger Moos und Mannheimer Mündung; diese Perspektive würde wiederum dem Image- und Markenanspruch des neuen Qualitätswegs nicht gerecht. - Die Markierung des "Neckarwegs" entfällt folglich im Odenwald, sowohl im Gelände als auch In den neuen Wanderkarten. In diesem Raum ist der alte "Neckarweg" gelöscht! Aber: Südöstlich von Bad Wimpfen und westlich von Heidelberg knüpft der "Neckarweg" dann wieder direkt an den "Neckarsteig" an.

Genau das ist der Grund, warum Sie als "Neckarsteiger" beispielsweise im Bereich des Heidelberger Schlosses und weiter bis zum Philosophenweg, bis Neuenheim usf. den "Neckarweg" im Gelände markiert vorfinden und warum es sich bei Bad Wimpfen ganz ähnlich verhält. - Etwas ungünstig, sicher auch für den ein oder anderen Wandergast verwirrend, sind dabei die doch sehr ähnlichen N-Symbole (vgl. Fotos). So bleibt anzumerken, dass weitere infrastrukturelle Ausstattungen am "Neckarsteig" potenzielle Wirrungen bezüglich der beiden ineinandergreifenden Wanderwegformate transparenter machen könnten und hoffentlich bald gänzlich ausschließen werden; ich möchte hier insbesondere auf gut wahrnehmbare "Neckarsteig-Eingangsportale" mit Tafel-Karten hinweisen, wie schon 2009 in der Projektstudie aus dem Hause proreg empfohlen, und ich meine auch heute: dies ist eine der Ergänzungen, die am Neckarsteig noch kommen sollten.

(Fotos: Hahl)

19.11.2012

Quo vadis, Qualitätswege? - Teil 2/2

Regionales Scenario: Neckarsteig und Nibelungensteig als Dachmarken, flankiert von "Odenwald-Schleifen"

Hier kommen Sie zu Teil 1/2: 
http://wanderfokus-odenwald.blogspot.de/2012/11/zertifizierte-wanderwege-sind-im.html

Im ersten Teil dieses Beitrags war von einer "Hyperzertifizitis" die Rede, die sich derzeit im Odenwald auszubreiten scheint. Dieser gar nicht provokanten These sei nun ein Scenario gegenübergestellt, das wir uns für die Region - anknüpfend an den gegenwärtigen Status quo gut vorstellen könnten. Im Wesentlichen wie folgt: einen oder maximal zwei der großen Zertifikatswege durch professionelles Marketing und gründliche Qualitätsentwicklung nähren und ausreifen lassen, mit dem Ziel, ein oder zwei erstklassige Wandermarken zu schaffen, die sich deutschlandweit positionieren können. Normalerweise einer für alle; angesichts der drei Bundesländer, die in den Odenwald lappen (Bayern allerdings nur mit geringem Anteil), gehen auch zwei - mehr besser nicht.

Nibelungensteig als hessisch-bayerische Marke und Neckarsteig als nordbadisches Qualitätsprodukt (mit kleinem südhessischen Anteil) erscheinen dafür als die geeignetsten Routen. Diese zwei gilt es zu füttern und zu päppeln, damit sie deutschlandweit Beachtung finden, zu "Top Trails" oder "besten Wanderwegen" werden können und dadurch der gesamten Destination zugute kommen: dem Burgen- und Berge-reichen Odenwald mit seinen dichten, mystisch atmosphärischen Wäldern (stellvertretend: Nibelungensteig) und seinem geschichtsträchtigen, mythisch-romantisch verklärten Flusstal im Süden (stellvertretend: Neckarsteig). - Von weiteren Zertifizierungen anderer Mehrtageswege, und seien sie zweifellos auch noch so schön und empfehlenswert, sollte man - mit Verlaub - in der Region Abstand nehmen: keine Burgenweg-Zertifizierung, keine Limesweg-Zertifizierung, zukünftig vielleicht auch keine Alemannenweg-Zertifizierung mehr. So weit jedenfalls dieses Scenario! Die ein bis zwei Dachmarken wären somit klar definiert und repräsentieren den Odenwald: weniger ist mehr ...

Die einzelnen Tages-Rundwege, die derzeit entstehen, brauchen einen eigenen Markennamen. [Edit 24.01.13: Mittlerweile ist zu lesen, dass sie den Namen "Qualitätswege Wanderbarer Odenwald" tragen sollen.] Wenn man ein regionalpatriotisches Zertifikat zu den bisherigen überregional erkennbaren und bekannten Siegeln gesellen möchte, dann muss sie der Gast auch auf den ersten Blick unterscheiden können von DWV-zertifizierten "Qualitätswegen Wanderbares Deutschland". Ausgezeichnete Tages-Rundwege sollten überwiegend die (zwei) großen Steige flankieren und von Anfang an auf einem Qualitätslevel entwickelt werden, mit dem die Wandererlebnisgarantie, die eine Zertifizierung ja prinzipiell auf den Weg bringen soll, nicht aufgeweicht wird. Das bedeutet auch, dass die Qualität dauerhaft gewährleistet werden muss, das heißt: Folgekosten für die Kommunen. - Andererseits kann zum jetzigen Stand niemand ausschließen, dass sich einzelne Odenwald-Kommunen zukünftig wiederum um Rundwege bemühen werden, die sie vom Wanderverband oder vom Wanderinstitut zertifizieren lassen möchten, um sich erneut aus einer Masse durch Klasse abzuheben, denn das Image dieser beiden überregionalen Siegel wird über die Region hinaus aussagekräftiger bleiben, davon muss man sicherlich ausgehen. Aus der Parallelität unterscheidlicher Siegel wird ein Ranking hervorgehen. Um Verwirrungen für Gäste und Markt aufgrund unterschiedlicher Gütezeichen zu vermeiden, wäre ein schlüssiges wandertouristisches Gesamtkonzept für die Region sehr hilfreich. Man muss sich kritisch mit der Frage auseinandersetzen: Haben wir das zum momentanen Zeitpunkt noch? Oder besteht die Gefahr eines Wildwuchses?

Auch Wegabschnitte, die als "Alternativrouten" vorgestellt werden, wie der neue 26,4 km lange Katzensteig zwischen Eberbach und Neckargerach, passen nicht so recht in ein regionales Gesamtbild: Wie kann ein Katzensteig möglichst überregional vermarktet werden, wenn bislang nicht einmal der Etat für den großen Bruder, die Dachmarke Neckarsteig, auf ein zukunftsweisendes Maß eingependelt wurde? Und was will man den ortsunkundigen "Neckarsteigern" dann eigentlich anbieten: Dass sie sich in Eberbach oder in Neckargerach entscheiden müssen, ob sie alternativ die 1A-Landschaft rund um den Katzenbuckel wählen oder die 1A-Landschaft über den Eberbacher Breitenstein, ausgestattet mit eindrucksvollen Spuren der Flussgeschichte, und vorbei an der Burgruine Stolzeneck? Ein kniffliges Unterfangen, wenn es doch eigentlich darum gehen müsste, ein glasklares regionales Wanderprodukt (hier also die Marke Neckarsteig) auf dem deutschlandweiten Markt zu etablieren. Wäre es nicht im Sinne eines Gesamtkonzepts und auch im Sinne der Waldbrunner Übernachtungszahlen effektiver (gewesen), einen zertifizierten Tagesrundweg um den Katzenbuckel zu schaffen und diesen an die Dachmarke Neckarsteig zu knüpfen? Immerhin hat der Katzensteig das Potenzial, als Zweitagesroute (mit Übernachtung in Waldbrunn) - für Ausdauerwanderer auch als Tagestour geeignet - das Wanderziel Katzenbuckel an die S-Bahn im Neckartal anzubinden; von der Vorstellung einer "Alternativroute" zum Neckarsteig sollte man allerdings absehen.

Abschließend noch einmal zusammengefasst - das hier entwickelte Szenario sieht vor: zwei Mehrtageswanderwege als zertifizierte regionale Dachmarken mit idealer Ausstattung, Steig 1 im Norden, Steig 2 im Süden. Einer davon, der Neckarsteig, bietet zudem durch den S-Bahn-Anschluss gute Voraussetzungen, auch Tagesmarschetappen zu ermöglichen (wenngleich die Ausstattung mit Einstiegs-/Ausstiegs-Portalen und die Qualität der erforderlichen Zubringerwege zwischen S-Bahnhöfen und Steig unbedingt noch nachzubessern wären). Weitere regionale Mehrtageswanderwege (Alemannenweg, Burgenweg, Limesweg und andere) können auch zukünftig empfohlen werden, ohne aber als gleichrangige Parallel-Wandermarken entwickelt zu werden; eine Zertizierung erscheint hier nicht (mehr) erforderlich. - Angekoppelt an die beiden großen Steige entwickelt man hochkarätige Tagesrundwege, vergleichbar den "Traumschleifen" am Saar-Hunsrück-Steig. Man sollte sich in einem gesamtregionalen Entscheidungsfindungsprozess darüber verständigen, ob diese - nennen wir sie einfach mal - "Odenwald-Schleifen" mit einem regionalen OWK-Zertifikat, mit einem deutschlandweiten DWV-Zertifikat oder gar mit einer europaweiten Ausweisung als "Premiumwege" entwickelt werden.