20.11.2012

Neckarsteig oder Neckarweg?

Wanderwegentwirrung am blauen N

Moment mal ... Wieso sieht man denn am Heidelberger Schloss die Markierung eines "Neckarwegs" im Gelände, wo man sich doch vermeintlich am "Neckarsteig" befinden sollte? Weg oder Steig - ja, was denn nun? Der mit regionalspezifischer Wanderkompetenz verständlicherweise etwas weniger ausgestattete Gast könnte sich hier beim Wandern etwas wundern. Die Verwechslungsgefahr hält sich zwar einigermaßen in Grenzen, aber um etwaige Wirrungen am Wanderweg weiter einzudämmen, wollen wir der Neckarsteig-Neckarweg-Verwunderung hier einmal auf den Grund gehen.

Der im Jahr 2004 eingeweihte "Neckarweg" verläuft von der Quelle des Flusses, im Naturschutzgebiet Schwenninger Moos, bis zur Mannheimer Rheinmündung. Sie finden ihn hier: http://www.schwaebischer-albverein.de/wandern/wanderwege/weitwanderwege/neckar/neckar.html
Im Rahmen dieser Wegeplanung wurde dann auch eine Teilroute im Odenwälder Flusstal als "Neckarweg" markiert; an eine zertifierbare Auswahl der Strecke war damals nicht gedacht.

Die späterhin aufgekommene Idee eines "Neckarsteigs" ist dagegen eine andere: Man wollte, so lautete die im Jahr 2008 von Timo Bracht vorgetragene Vision, eine Wanderroute zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen auf hohem Qualitätslevel schaffen, um sich auf dem Deutschlandmarkt möglichst weit oben positionieren zu können und die Schönheiten des Neckartals in seinem Odenwälder Verlauf hervorzuheben. Dafür war selbstverständlich von Anfang an auch ein Zertifikat - unklar zunächst noch, ob als "Premiumweg" oder als "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" - vorgesehen. Die alte "Neckarweg"-Route hätte den erforderlichen Qualitätskriterien auf keine Fall entsprochen; sie verlief in großen Anteilen an den nicht selten asphaltierten Uferwegen des Flusses entlang. Im Januar 2012 wurde schließlich der nach Kriterien des Deutschen Wanderverbands zertifizierte "Neckarsteig" auf der Stuttgarter CMT seiner Bestimmung übergeben. Sie finden ihn hier: http://neckarsteig.de/

Heute ersetzt die "Neckarsteig"-Route auf der Strecke Heidelberg-Wimpfen den zuvor ausgewiesenen Odenwälder "Neckarweg"-Abschnitt. Man könnte also auch sagen: Der "Neckarsteig" ist der zertifizierte Teil des überrgionalen "Neckarwegs" zwischen Schwenninger Moos und Mannheimer Mündung; diese Perspektive würde wiederum dem Image- und Markenanspruch des neuen Qualitätswegs nicht gerecht. - Die Markierung des "Neckarwegs" entfällt folglich im Odenwald, sowohl im Gelände als auch In den neuen Wanderkarten. In diesem Raum ist der alte "Neckarweg" gelöscht! Aber: Südöstlich von Bad Wimpfen und westlich von Heidelberg knüpft der "Neckarweg" dann wieder direkt an den "Neckarsteig" an.

Genau das ist der Grund, warum Sie als "Neckarsteiger" beispielsweise im Bereich des Heidelberger Schlosses und weiter bis zum Philosophenweg, bis Neuenheim usf. den "Neckarweg" im Gelände markiert vorfinden und warum es sich bei Bad Wimpfen ganz ähnlich verhält. - Etwas ungünstig, sicher auch für den ein oder anderen Wandergast verwirrend, sind dabei die doch sehr ähnlichen N-Symbole (vgl. Fotos). So bleibt anzumerken, dass weitere infrastrukturelle Ausstattungen am "Neckarsteig" potenzielle Wirrungen bezüglich der beiden ineinandergreifenden Wanderwegformate transparenter machen könnten und hoffentlich bald gänzlich ausschließen werden; ich möchte hier insbesondere auf gut wahrnehmbare "Neckarsteig-Eingangsportale" mit Tafel-Karten hinweisen, wie schon 2009 in der Projektstudie aus dem Hause proreg empfohlen, und ich meine auch heute: dies ist eine der Ergänzungen, die am Neckarsteig noch kommen sollten.

(Fotos: Hahl)

19.11.2012

Quo vadis, Qualitätswege? - Teil 2/2

Regionales Scenario: Neckarsteig und Nibelungensteig als Dachmarken, flankiert von "Odenwald-Schleifen"

Hier kommen Sie zu Teil 1/2: 
http://wanderfokus-odenwald.blogspot.de/2012/11/zertifizierte-wanderwege-sind-im.html

Im ersten Teil dieses Beitrags war von einer "Hyperzertifizitis" die Rede, die sich derzeit im Odenwald auszubreiten scheint. Dieser gar nicht provokanten These sei nun ein Scenario gegenübergestellt, das wir uns für die Region - anknüpfend an den gegenwärtigen Status quo gut vorstellen könnten. Im Wesentlichen wie folgt: einen oder maximal zwei der großen Zertifikatswege durch professionelles Marketing und gründliche Qualitätsentwicklung nähren und ausreifen lassen, mit dem Ziel, ein oder zwei erstklassige Wandermarken zu schaffen, die sich deutschlandweit positionieren können. Normalerweise einer für alle; angesichts der drei Bundesländer, die in den Odenwald lappen (Bayern allerdings nur mit geringem Anteil), gehen auch zwei - mehr besser nicht.

Nibelungensteig als hessisch-bayerische Marke und Neckarsteig als nordbadisches Qualitätsprodukt (mit kleinem südhessischen Anteil) erscheinen dafür als die geeignetsten Routen. Diese zwei gilt es zu füttern und zu päppeln, damit sie deutschlandweit Beachtung finden, zu "Top Trails" oder "besten Wanderwegen" werden können und dadurch der gesamten Destination zugute kommen: dem Burgen- und Berge-reichen Odenwald mit seinen dichten, mystisch atmosphärischen Wäldern (stellvertretend: Nibelungensteig) und seinem geschichtsträchtigen, mythisch-romantisch verklärten Flusstal im Süden (stellvertretend: Neckarsteig). - Von weiteren Zertifizierungen anderer Mehrtageswege, und seien sie zweifellos auch noch so schön und empfehlenswert, sollte man - mit Verlaub - in der Region Abstand nehmen: keine Burgenweg-Zertifizierung, keine Limesweg-Zertifizierung, zukünftig vielleicht auch keine Alemannenweg-Zertifizierung mehr. So weit jedenfalls dieses Scenario! Die ein bis zwei Dachmarken wären somit klar definiert und repräsentieren den Odenwald: weniger ist mehr ...

Die einzelnen Tages-Rundwege, die derzeit entstehen, brauchen einen eigenen Markennamen. [Edit 24.01.13: Mittlerweile ist zu lesen, dass sie den Namen "Qualitätswege Wanderbarer Odenwald" tragen sollen.] Wenn man ein regionalpatriotisches Zertifikat zu den bisherigen überregional erkennbaren und bekannten Siegeln gesellen möchte, dann muss sie der Gast auch auf den ersten Blick unterscheiden können von DWV-zertifizierten "Qualitätswegen Wanderbares Deutschland". Ausgezeichnete Tages-Rundwege sollten überwiegend die (zwei) großen Steige flankieren und von Anfang an auf einem Qualitätslevel entwickelt werden, mit dem die Wandererlebnisgarantie, die eine Zertifizierung ja prinzipiell auf den Weg bringen soll, nicht aufgeweicht wird. Das bedeutet auch, dass die Qualität dauerhaft gewährleistet werden muss, das heißt: Folgekosten für die Kommunen. - Andererseits kann zum jetzigen Stand niemand ausschließen, dass sich einzelne Odenwald-Kommunen zukünftig wiederum um Rundwege bemühen werden, die sie vom Wanderverband oder vom Wanderinstitut zertifizieren lassen möchten, um sich erneut aus einer Masse durch Klasse abzuheben, denn das Image dieser beiden überregionalen Siegel wird über die Region hinaus aussagekräftiger bleiben, davon muss man sicherlich ausgehen. Aus der Parallelität unterscheidlicher Siegel wird ein Ranking hervorgehen. Um Verwirrungen für Gäste und Markt aufgrund unterschiedlicher Gütezeichen zu vermeiden, wäre ein schlüssiges wandertouristisches Gesamtkonzept für die Region sehr hilfreich. Man muss sich kritisch mit der Frage auseinandersetzen: Haben wir das zum momentanen Zeitpunkt noch? Oder besteht die Gefahr eines Wildwuchses?

Auch Wegabschnitte, die als "Alternativrouten" vorgestellt werden, wie der neue 26,4 km lange Katzensteig zwischen Eberbach und Neckargerach, passen nicht so recht in ein regionales Gesamtbild: Wie kann ein Katzensteig möglichst überregional vermarktet werden, wenn bislang nicht einmal der Etat für den großen Bruder, die Dachmarke Neckarsteig, auf ein zukunftsweisendes Maß eingependelt wurde? Und was will man den ortsunkundigen "Neckarsteigern" dann eigentlich anbieten: Dass sie sich in Eberbach oder in Neckargerach entscheiden müssen, ob sie alternativ die 1A-Landschaft rund um den Katzenbuckel wählen oder die 1A-Landschaft über den Eberbacher Breitenstein, ausgestattet mit eindrucksvollen Spuren der Flussgeschichte, und vorbei an der Burgruine Stolzeneck? Ein kniffliges Unterfangen, wenn es doch eigentlich darum gehen müsste, ein glasklares regionales Wanderprodukt (hier also die Marke Neckarsteig) auf dem deutschlandweiten Markt zu etablieren. Wäre es nicht im Sinne eines Gesamtkonzepts und auch im Sinne der Waldbrunner Übernachtungszahlen effektiver (gewesen), einen zertifizierten Tagesrundweg um den Katzenbuckel zu schaffen und diesen an die Dachmarke Neckarsteig zu knüpfen? Immerhin hat der Katzensteig das Potenzial, als Zweitagesroute (mit Übernachtung in Waldbrunn) - für Ausdauerwanderer auch als Tagestour geeignet - das Wanderziel Katzenbuckel an die S-Bahn im Neckartal anzubinden; von der Vorstellung einer "Alternativroute" zum Neckarsteig sollte man allerdings absehen.

Abschließend noch einmal zusammengefasst - das hier entwickelte Szenario sieht vor: zwei Mehrtageswanderwege als zertifizierte regionale Dachmarken mit idealer Ausstattung, Steig 1 im Norden, Steig 2 im Süden. Einer davon, der Neckarsteig, bietet zudem durch den S-Bahn-Anschluss gute Voraussetzungen, auch Tagesmarschetappen zu ermöglichen (wenngleich die Ausstattung mit Einstiegs-/Ausstiegs-Portalen und die Qualität der erforderlichen Zubringerwege zwischen S-Bahnhöfen und Steig unbedingt noch nachzubessern wären). Weitere regionale Mehrtageswanderwege (Alemannenweg, Burgenweg, Limesweg und andere) können auch zukünftig empfohlen werden, ohne aber als gleichrangige Parallel-Wandermarken entwickelt zu werden; eine Zertizierung erscheint hier nicht (mehr) erforderlich. - Angekoppelt an die beiden großen Steige entwickelt man hochkarätige Tagesrundwege, vergleichbar den "Traumschleifen" am Saar-Hunsrück-Steig. Man sollte sich in einem gesamtregionalen Entscheidungsfindungsprozess darüber verständigen, ob diese - nennen wir sie einfach mal - "Odenwald-Schleifen" mit einem regionalen OWK-Zertifikat, mit einem deutschlandweiten DWV-Zertifikat oder gar mit einer europaweiten Ausweisung als "Premiumwege" entwickelt werden.

18.11.2012

Quo vadis, Qualitätswege? - Teil 1/2

Oder: Geht im Odenwald die Hyperzertifizitis um?

Zertifizierte Wanderwege sind im Odenwald auf dem Vormarsch. Bereichert das die Wanderregion oder schlägt Masse bald Klasse? Irgendwo im Spannungsfeld zwischen den zwei überzeichneten Fragestellungen "geht noch einer?" und "gehts noch?" ist nüchternes, kritisches, konzeptionelles Abwägen gefragt.

Neben "Neckarsteig", "Nibelungensteig" und "Alemannenweg" soll es bald noch einen weiteren nach Kriterien des Deutschen Wanderverbands zertifizierten Qualitätsweg im Odenwald geben: Der "Burgenweg" an der badischen Bergstraße wird hinsichtlich seiner Zertifizierbarkeit geprüft. Zunächst geht es um den Abschnitt von Heidelberg bis Laudenbach. Damit verliefen am Drehpunkt Heidelberg bereits zwei Qualitätswege. Allerdings ist der Asphaltanteil auf den wunderbar aussichtsreichen Bergstraßenhöhen gravierend und die Zertifizierbarkeit scheint daher, bei allem Respekt vor dem Rheingraben-Panorama und der klimatisch bedingt frühen Obstbaumblütenexplosion, wohl derzeit noch fragwürdig.

Im Südosten des Mittelgebirges wird dagegen ein "Limesweg" hinsichtlich seiner Eignung als Qualitätsweg geprüft. Sollte er sein Gütesiegel bekommen, und mit ihm auch der Bergsträßer Wander-Highway, dann wären es womöglich bald fünf DWV-bescheinigte Wanderbare in einer Region. Das ist eine ganze Menge ... Und noch einer: Die Neueinrichtung des von Eberbach über Waldbrunn bis Neckargerach führenden, 26 km langen "Katzensteigs", der als eine Art Alternativroute für einen Teilabschnitt des "Neckarsteigs" gedacht ist, reiht sich auch noch in die Gütegarde ein.

Damit nicht genug - weiter geht´s im Sauseschrit: Seit einiger Zeit produziert der Odenwaldklub nun auch nach eigenen Kriterien zertifizierte Rundwege mit ca. 10-16 Streckenkilometern, räumlich weitgehend losgelöst von den großen "Steigen" der Region. Es sind mittlerweile offenbar schon an die fünfzig nach OWK-Richtlinien ausgewiesene Wege entstanden oder in Bearbeitung, wenn man die Liste in der aktuellen "Dorflinde", S.6, beschaut. Es fällt zudem auf, dass diese Rundwege im Vereinsblatt als "Qualitätswege im Odenwald" präsentiert werden. Bislang ging man davon aus, dass sich dieser Begriff auf jene Pfade des Deutschen Wanderverbands, die "Qualitätswege Wanderbares Deutschland" beschränkte; um eine Verwässerung des Produktnamens zu vermeiden, muss man hier vielleicht über einen eigenständigen Markennamen nachdenken. Eine andere Frage, mit der man sich sicher noch auseinandersetzen sollte, ist die, inwieweit die Zertifizierung selbst als Gütesiegel mit eindeutigem Wiedererkennungswert aufgeweicht wird, wenn am Ende zu viele Markenwege mit unterschiedlichen Messlatten entwickelt werden.

Nun, jeder einzelne dieser Wege ist sicherlich eine Wanderung wert und man wird hier wie dort ganz bestimmt wunderbar erwanderbare Aussichten und Einsichten sowie vermutlich gut ausgewählte Routenführungen vorfinden und genießen können. Die Qualität der Wege sei hier auch keineswegs in Abrede gestellt; die Fragen, die sich aufdrängen, sind andere: Hat die Region die finanziellen und personellen Kapazitäten, alle diese Markenwege entsprechend ihrer ursprünglichen Qualitätsoffensive mit Marketing, Wegemanagement, Öffentlichkeitsarbeit und so weiter auszustatten, um deren Image auf gebührlich hohem Level kommunizieren zu können und um die Qualität, die sie versprechen, dauerhaft zu halten, vielleicht im ein oder anderen Fall gar noch zu optimieren? Lässt sich die zunehmende Fülle dieser Wege denn noch "überodenwälderisch", möglichst deutschlandweit vermarkten?

Und noch einen Schritt weiter gedacht: Kann die lokalspezifische Quantität noch der Qualität einer Wanderregion zugute kommen oder verwässern sich die zahlreichen Zertifikate gegenseitg? Sollte man nicht vielmehr hergehen und eines oder vielleicht auch noch zwei dieser wandertouristischen Produkte als ganz besondere Marke entwickeln und weit über die regionalen Grenzen hinaus etablieren? Bringt die facettenreiche Masse auch gesamtkonzeptionelle Klasse? Oder anders gefragt: Wo ist das regionale Zugpferd einer Wanderdestination, wenn überall die Gäule aufgesattelt werden?

Szenenwechsel: "Wann war dein letztes Abenteuer?", fragt man den Wandergast zwischen Perl und Trier aus aufwändig gestalteten Prospekten heraus. Der als Premiumweg zertifizierte "Saar-Hunsrück-Steig" ist das Aushängeschild einer ganzen Wanderdestination. Ergänzt wird er von den so genannten "Traumschleifen", die als etwa 10-15 km lange Tagesrundwege an den Steig anknüpfen. Sie finden den aktuellen Stand hier: http://www.saar-hunsrueck-steig.de/traumschleifen__gesamt.php - Ein zweiter großer Premiumweg, neben dem Saar-Hunsrück-Steig, stand hier nie zur Debatte, obwohl die Landschaft und die Kulturgüter im saarländisch-pfälzischen Grenzraum sicherlich noch andere Zertifizierungspotenziale zu bieten hätten.

Ein recht ordentlicher Marketing-Etat fließt in die große Saar-Hunsrück-Marke und eine eigene Geschäftsstelle wurde ausschließlich für Wegemanagement und all die anderen Aspekte professioneller Qualitätssicherung und Qualitäsentwicklung aufgebaut. Mit "Deutschlands schönstem Wanderweg 2009" wirbt eine länderübergreifende Tourismusdestination und die Experten sind sich einig: die bundesweit bekannte Marke dient als Zugpferd und tut hier dem gesamten regionalen Tourismus gut. Also: einer für alle ...

Wie verhält es sich nun mit der Klasse und der Masse? Dass sich das Konzept der "Traumschleifen" bewährt - zertifizierte Tagesrunden also, die sich direkt an die großen Steige anschließen -, dies scheinen Umfragen zu bestätigen und es liegt an den empirisch ermittelten und statistisch festgeklopften Vorlieben des "idealtypischen" Wanderers. Unter bestimmten Umständen ist außerdem durchaus vorstellbar, dass interkommunaler Wettbewerb das Geschäft innerhalb einer Region belebt, dass im besten Fall also auch Klasse aus Masse entstehen kann, falls sich eine Art lokalmatadorisches Ringen um den besten hiesigen Wanderweg entwickelt.

Das Konzept in der Saar-Hunsrück-Destination scheint derweil stimmig: Ein großer Steig dient als wandertouristisches Aushängeschild für die ganze Region, daneben erfüllen angekoppelte Extratouren, Rundwege im Tageswanderungsformat, andere Bedürfnisse; sie flankieren ihre Dachmarke

Alle großen Steige aber haben im Grunde das gleiche Problem: Die Region braucht Geld, um die beabsichtigte Qualität, für die immerhin einiges an Vorleistungen erbracht wurde, zu halten und weiter zu optimieren. Geld für Marketing, Merchandising, Management, Public Relations, Ausstattung und Pflege, Nachbesserungen und Ergänzungen, Programme und Pauschalen, Events und Erlebnisse und manches mehr. Wo die bare Münze fehlt, da geht das, was nach Markierung und Zertifizierung eben noch weiter erfolgen muss, allzu leicht unter.

Erfolgversprechender und effektiver als die derzeit im Odenwald voranschreitende Parallelzertifizierung einer zunehmenden Anzahl von Mehrtageswegen scheint daher das Finanzierungs- und Marketingkonzept des Saar-Hunsrück-Steigs, ebenso wie das des Eifelsteigs, des Rheinsteigs, des Rothaarsteigs und etlicher großer Wanderwegmarken: alle für einen also ... - Masse allein ist für den Erfolg der Sache keineswegs der Königsweg.

Hier gelangen Sie zum Teil 2/2:
http://wanderfokus-odenwald.blogspot.de/2012/11/quo-vadis-qualitatswege-teil-2.html

23.10.2012

Herbstliches Farbeninferno am Neckarsteig

Das farbenprächtigste Naturspektakel des Jahres fand am letzten Wochenende statt - ein Inferno der Sinne, leise und unaufdringlich in unseren herbstlichen Wäldern - auch auf dem Neckarsteig zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen. Das Bild zeigt eine Oktoberimpression aus Hirschhorn.

Parallel zu dieser blogspot-Präsenz finden Sie den Weblog "Wanderfokus Odenwald" mittlerweile auch auf der Website des Projektbüros proreg. Schauen Sie mal vorbei ...

(Foto: Hahl)

01.05.2012

Den Neckarsteig auf den Weg gebracht

Samstag, 21. April 2012: Offizielle Einweihung des zertifizierten Qualitätswanderweges "Neckarsteig" in Eberbach. Über 150 Besucher waren dabei, und mit ihnen wanderten viele Vertreter der regionalen Politprominenz sowie die maßgeblichen "Macher" des Steigs - und natürlich auch Top-Triathlet und Ideengeber Timo Bracht - bergauf zum Eberbacher Schollerbuckel.

Hier wurde die feierliche Eröffnung der neuen Wandermarke im ebenso kulturgeschichtsträchtigen wie naturräumlich eindrucksvollen unteren Neckartal vorgenommen. Der Neckarsteig ist angekommen!


Bald verlief die Wanderung weiter bis Rockenau, wo ein Bustranfer zurück in die Kernstadt anknüpfte. Am Nachmittag erfolgte die Zeremonie in Wort und Bild in der Stadthalle - mit kurzweiligen Redebeiträgen des Landrats im Neckar-Odenwald-Kreis Dr. Achim Brötel, des Eberbacher Bürgermeisters Bernhard Martin, des Landtagsabgeordneten Georg Nelius und des geistigen Neckarsteig-Vaters Timo Bracht (Bild links).

Der wünschte dem Zertifikatssteig mit einem scheinbaren Anflug schelmischem understatements "nur" eines: dass er der schönste Wanderweg Deutschlands werden möge! Doch die Authentizität des zweifachen Europameisters macht diese höchst anspruchsvolle Maxime, unter welcher er den neuen Neckarsteig jetzt in die Startlöcher gehen sehen möchte, zugleich zum unmissverständlichen Ansporn ...

Abschließend lud der Naturpark-Geschäftsführer Manfred Robens mit einer bilderreichen Präsentation zu einer Reise auf den Neckarsteig ein.

Keine Frage. Der Neckarsteig - ein wertvoller Baustein für den Tourismus und das Marketing der Region - ist zum Wandern und Genießen für seine Gäste gemacht; die Entscheidungsträger und Planungsverantwortlichen wollen sich allerdings noch lange nicht auf dem bislang Geschaffenen "ausruhen".

So manches ist auch an diesem neuen Zertifikatsweg noch nach der Einweihung in die Wege zu leiten, damit er als wandertouristische Marke deutschlandweit positioniert werden kann: Wegemanagement, Infrastruktur, Nachzertifizierung und einiges mehr. Der Meilenstein indes ist vielversprechend: Zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen ist etwas in Bewegung gekommen ...

Diesen Beitrag finden Sie auch im Weblog "wanderfokus" direkt auf der Website www.proreg.de 

Weitere Info: www.neckarsteig.de

16.01.2012

Neckarsteig auf der CMT präsentiert

von links nach rechts: Erik Neumeyer (Deutscher Wanderverband), Timo Bracht (Triathlonsportler), Bernhard Martin (Bürgermeister in Eberbach), Dr. Achim Brötel (Landrat im Neckar-Odenwald-Kreis); Foto: M. Hahl

Im Jahr 2008 begannen die ersten Gespräche zum "Neckarsteig", als Ideengeber Timo Bracht seine Vision eines zertifizierten Wanderweges zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen dem Eberbacher Bürgermeister Bernhard Martin vorstellte. Gemeinsam mit dem Naturpark Neckartal-Odenwald und der Touristikgemeinschaft Odenwald samt Landrat Dr. Achim Brötel wurde eine Strategie entwickelt, um das Projekt umzusetzen.

Im April 2009 legte das geographische Projektbüro proreg eine umfassende wandertouristische Studie im Auftrag der TGO vor, in der zusammen mt Timo auch ein erstes Overlay zum Streckenverlauf entwickelt und auf 80 Seiten weitere Potenziale eines zertifizierten Wanderwegs ausgearbeitet wurden. Bald darauf konnte man eine Interessengemeinschaft Neckarsteig mit denjenigen Kommunen gründen, die sich am projektierten Qualitätsweg beteiligen wollten. Mit der Detailplanung und Markierung einer unter Gütekriterien des Wanderverbandes zertifizierbaren Route wurde der Odenwaldklub gegen Honorar beauftragt; die Ortsgruppen des Wandervereins arbeiteten engagiert mit. Die Projektsteuerung übernahmen Achim Dörr und Manfred Robens, die Geschäftsführer der TGO und des Naturparks Neckartal-Odenwald.

Heute nahmen Timo Bracht, Bürgermeister Bernhard Martin und Landrat Dr. Achim Brötel auf der SWR-Showbühne der Stuttgarter Touristikmesse CMT das Zertifikat vom stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Wanderverbandes, dem Geographen Erik Neumeyer entgegen. Damit ist der 126 Kilometer lange Neckarsteig zwischen Bad Wimpfen und Heidelberg nun als "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" ausgezeichnet.

Das Marketing-Faltblatt, zu dem Michael Hahl vom Waldbrunner Projektbüro proreg Texte und inhaltliches Konzept erarbeitete, konnte ebenfalls auf der CMT präsentiert werden, und auch die Website www.neckarsteig.de/ ist mit einem erweiterten textlichen und stets aktuellen, informativen Angebot seit wenigen Tagen online. Fotos für die Web- und Printpräsenz des neuen wandertouristischen Produkts wurden überwiegend vom Eberbacher Naturfotografen Andreas Held aufgenommen.

Der Neckarsteig zeichnet sich durch seine Fülle an naturräumlichen und kulturgeschichtlichen Attraktionen aus. Etliche mittelalterliche Burgen und atmosphärische Altstädte säumen den Pfad, aber auch auf Umlaufberge und weitere Relikte der Flussgeschichte, auf Schluchten und Felsformationen sowie Naturschutzgebiete, Streuobstwiesen und alte Kulturlandschaften trifft der Wanderer am neuen Qualitätswanderweg. Dazu gibt es immer wieder atemberaubende Fernblicke über das eindrucksvolle Flusstal, über die steilen Hänge des Buntsandstein-Odenwaldes bis hin zum Neckarland mit seinen hügeligen Muschelkalkflächen.

Man kann den Neckarsteig in mehreren Etappen gehen oder auch abschnittweise für eine besondere Tageswanderung nutzen. Übernachtungen sind vielerorts möglich und durch den Anschluss an den S-Bahn-Takt ist man auch ohne PKW weitgehend unabhängig. Informationen sowie das neue Neckarsteig-Faltblatt bekommt man bei der Touristikgemeinschaft Odenwald in Mosbach. - Mit der heutigen CMT-Eröffnung des Neckarsteigs ist der Weg zum Qualitätsprodukt noch lange nicht zu Ende gegangen: Der Aufbau einer herausragenden wandertouristischen Marke soll auch im Jahr 2012 weiter gehen.

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09.01.2012

Hugenotten- und Waldenserpfad auch im Odenwald











Wandern auf den Spuren der Glaubensflüchtlinge – das geht nun auch im südlichen Odenwald. Im Spätjahr 2011 wurde ein zwischen Schönau und Sinsheim verlaufender Teilabschnitt des "Hugenotten- und Waldenserpfades" eröffnet. Damit durchquert dieser europäische Kulturfernwanderweg jetzt die historische Kurpfalz, ehe er über Hirschhorn auf südhessischem Boden weiter bis Michelstadt und Oberramstadt nach Norden führt. Für den Hugenotten- und Waldenserpfad werden in Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich und in Italien ausgewählte Teilstrecken markiert, um sie nach und nach zu einem Gesamtweg zusammen zu bringen.

Die Migration der hugenottischen und waldensischen Glaubensflüchtlinge vor rund 300 Jahren wurde zu einem nicht unwesentlichen Bestandteil der südwestdeutschen Kulturgeschichte und führte nicht zuletzt im Odenwald und im Kraichgau zu einem transkulturellen Austausch innovativer Ideen und Techniken. Integration ist auch aus regionalgeschichtlicher Perspektive eine gesellschaftliche Herausforderung. Am Beispiel der Hugenotten und Waldenser zeigt sich im Rückblick, wie die Früchte dieser Aufgabe unser Kulturerbe bereicherten. Dieses Bewusstsein gilt es zu bewahren. Und da es um "Wanderbewegungen" geht und damit sozusagen um linear angeordnete Geschichtszeugnisse, liegt es natürlich nahe, die Fluchtwege selbst, also die historischen Migrationsrouten der Glaubensflüchtlinge zu thematisieren, begehbar und erlebbar zu machen. Dies ist Sinn und Zweck des länderübergreifenden Hugenotten- und Waldenserpfades.

Doch was hat es mit den Hugenotten und Waldensern auf sich und wie kam es, dass die Glaubensmigranten auf ihren Fluchtwegen auch in den Odenwald und in den Krauchgau vordrangen? Eine kleine Zeitreise führt zurück in die Kurpfalz um 1700 ... – Die Neuzeit Europas ist eine von konfessionellen Konflikten geprägte Geschichte. Im Wechselspiel landesherrschaftlicher Mächte provozierte die Vertreibung anders denkender Minderheiten Migration, also Aus- und Einwanderungen, und rief damit nicht zuletzt eine kulturelle Durchmischung hervor.

Ab 1685 erreichten die Verfolgungen unter Ludwig XIV. einen Höhepunkt. Glaubensflüchtlinge zerstreuten sich in alle Winde. Allein an die 30.000 Hugenotten, wie man die französischen Protestanten nannte, flüchteten in Deutschlands Süden, unter ihnen auch Waldenser aus dem Pragelatal. 1698 wurden nochmals 3000 Waldenser unter französischem Druck aus dem Piemont vertrieben und wanderten ihrerseits nach Südwestdeutschland. Manch ein protestantischer deutscher Landesfürst ermöglichte ihnen einen Neubeginn. So entstanden ab 1699 Waldensersiedlungen beispielsweise im Herzogtum Württemberg oder bei Karlsruhe, in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und anderen südhessischen Territorien. Den Kraichgau und den Odenwald erreichten die Migranten ebenfalls. In der Kurpfalz wurden Langenzell und der Biddersbacher Hof bei Lobbach im Kleinen Odenwald ab 1687 von Waldensern aus dem Pragelatal und Hugenotten aus dem Queyras besiedelt, und auch in Meckesheim hielten sich Glaubensflüchtlinge auf. Doch es war unsicheres Terrain. Zweimal mussten die Siedler wieder vor den einrückenden Franzosen fliehen.

Auch in der Kurpfalz wehte bald der Geist Ludwigs XIV. Bereits 1685 war der katholische Kurfürst Philipp Wilhelm an die Macht gekommen und löste die protestantische Kurpfalzdynastie ab. Sein 1690 nachfolgender Sohn, Kurfürst Johann Wilhelm, etablierte eine unnachgiebige Konfessionspolitik, angetrieben von absolutistischem Herrschaftsideal und streng katholischer Überzeugung. Nach und nach schaffte er Sanktionen gegen andersgläubige Untertanen, verstärkt ab 1697; eine Art „Gegenreformation“ begann.

Als einige der 1688 vor den Franzosen geflohenen Waldenser und Hugenotten ab 1690 in den Raum Langenzell zurückkehrten, wurden sie vom Kurfürsten zunächst noch toleriert. Als sie 1698, fünf Jahre nach ihrer 1693 vorgenommenen zweiten Flucht, erneut wiederkommen wollten, versagte ihnen Johann Wilhelm den Neubeginn. Im Territorium des katholischen Hardliners war jetzt kein Platz mehr für Waldenser und Hugenotten. Erst 1705 musste Kurfürst Johann Wilhelm unter dem Druck protestantischer Mächte mit der "Religionsdeklaration" die Duldung von Reformierten und Lutheranern beschließen, wenngleich dies mit wirtschaftlichen Vorteilen der Katholiken verbunden blieb.

Übrigens… Wenn Sie bald mal wieder Kartoffeln essen, denken Sie daran: Diese einst exotische Ackerfrucht wurde in Südwestdeutschland erst von waldensischen Migranten eingeführt, ebenso wie die Luzerne und der Tabakanbau in der Rheinebene!


Den Webauftritt des europäischen Fernwanderweges finden Sie hier. Darin gibt es auch einen Beitrag des Weblog-Autouren zu den historischen Routen im Bereich des Übergangs vom nördlichen Kraichgau zum Odenwald: HAHL 2010, Fluchtwege der Toleranz