16.01.2012

Neckarsteig auf der CMT präsentiert

von links nach rechts: Erik Neumeyer (Deutscher Wanderverband), Timo Bracht (Triathlonsportler), Bernhard Martin (Bürgermeister in Eberbach), Dr. Achim Brötel (Landrat im Neckar-Odenwald-Kreis); Foto: M. Hahl


Im Jahr 2008 begannen die ersten Gespräche zum "Neckarsteig", als Ideengeber Timo Bracht seine Vision eines zertifizierten Wanderweges zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen dem Eberbacher Bürgermeister Bernhard Martin vorstellte. Gemeinsam mit dem Naturpark Neckartal-Odenwald und der Touristikgemeinschaft Odenwald samt Landrat Dr. Achim Brötel wurde eine Strategie entwickelt, um das Projekt umzusetzen.

Im April 2009 legte das geographische Projektbüro proreg eine umfassende wandertouristische Studie im Auftrag der TGO vor, in der zusammen mt Timo auch ein erstes Overlay zum Streckenverlauf entwickelt und auf 80 Seiten weitere Potenziale eines zertifizierten Wanderwegs ausgearbeitet wurden. Bald darauf konnte man eine Interessengemeinschaft Neckarsteig mit denjenigen Kommunen gründen, die sich am projektierten Qualitätsweg beteiligen wollten. Mit der Detailplanung und Markierung einer unter Gütekriterien des Wanderverbandes zertifizierbaren Route wurde der Odenwaldklub gegen Honorar beauftragt; die Ortsgruppen des Wandervereins arbeiteten engagiert mit. Die Projektsteuerung übernahmen Achim Dörr und Manfred Robens, die Geschäftsführer der TGO und des Naturparks Neckartal-Odenwald.

Heute nahmen Timo Bracht, Bürgermeister Bernhard Martin und Landrat Dr. Achim Brötel auf der SWR-Showbühne der Stuttgarter Touristikmesse CMT das Zertifikat vom stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Wanderverbandes, dem Geographen Erik Neumeyer entgegen. Damit ist der 126 Kilometer lange Neckarsteig zwischen Bad Wimpfen und Heidelberg nun als "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" ausgezeichnet.

Das Marketing-Faltblatt, zu dem Michael Hahl vom Waldbrunner Projektbüro proreg Texte und inhaltliches Konzept erarbeitete, konnte ebenfalls auf der CMT präsentiert werden, und auch die Website www.neckarsteig.de/ ist mit einem erweiterten textlichen und stets aktuellen, informativen Angebot seit wenigen Tagen online. Fotos für die Web- und Printpräsenz des neuen wandertouristischen Produkts wurden überwiegend vom Eberbacher Naturfotografen Andreas Held aufgenommen.

Der Neckarsteig zeichnet sich durch seine Fülle an naturräumlichen und kulturgeschichtlichen Attraktionen aus. Etliche mittelalterliche Burgen und atmosphärische Altstädte säumen den Pfad, aber auch auf Umlaufberge und weitere Relikte der Flussgeschichte, auf Schluchten und Felsformationen sowie Naturschutzgebiete, Streuobstwiesen und alte Kulturlandschaften trifft der Wanderer am neuen Qualitätswanderweg. Dazu gibt es immer wieder atemberaubende Fernblicke über das eindrucksvolle Flusstal, über die steilen Hänge des Buntsandstein-Odenwaldes bis hin zum Neckarland mit seinen hügeligen Muschelkalkflächen.

Man kann den Neckarsteig in mehreren Etappen gehen oder auch abschnittweise für eine besondere Tageswanderung nutzen. Übernachtungen sind vielerorts möglich und durch den Anschluss an den S-Bahn-Takt ist man auch ohne PKW weitgehend unabhängig. Informationen sowie das neue Neckarsteig-Faltblatt bekommt man bei der Touristikgemeinschaft Odenwald in Mosbach. - Mit der heutigen CMT-Eröffnung des Neckarsteigs ist der Weg zum Qualitätsprodukt noch lange nicht zu Ende gegangen: Der Aufbau einer herausragenden wandertouristischen Marke soll auch im Jahr 2012 weiter gehen.

09.01.2012

Hugenotten- und Waldenserpfad auch im Odenwald











Wandern auf den Spuren der Glaubensflüchtlinge – das geht nun auch im südlichen Odenwald. Im Spätjahr 2011 wurde ein zwischen Schönau und Sinsheim verlaufender Teilabschnitt des "Hugenotten- und Waldenserpfades" eröffnet. Damit durchquert dieser europäische Kulturfernwanderweg jetzt die historische Kurpfalz, ehe er über Hirschhorn auf südhessischem Boden weiter bis Michelstadt und Oberramstadt nach Norden führt. Für den Hugenotten- und Waldenserpfad werden in Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich und in Italien ausgewählte Teilstrecken markiert, um sie nach und nach zu einem Gesamtweg zusammen zu bringen.

Die Migration der hugenottischen und waldensischen Glaubensflüchtlinge vor rund 300 Jahren wurde zu einem nicht unwesentlichen Bestandteil der südwestdeutschen Kulturgeschichte und führte nicht zuletzt im Odenwald und im Kraichgau zu einem transkulturellen Austausch innovativer Ideen und Techniken. Integration ist auch aus regionalgeschichtlicher Perspektive eine gesellschaftliche Herausforderung. Am Beispiel der Hugenotten und Waldenser zeigt sich im Rückblick, wie die Früchte dieser Aufgabe unser Kulturerbe bereicherten. Dieses Bewusstsein gilt es zu bewahren. Und da es um "Wanderbewegungen" geht und damit sozusagen um linear angeordnete Geschichtszeugnisse, liegt es natürlich nahe, die Fluchtwege selbst, also die historischen Migrationsrouten der Glaubensflüchtlinge zu thematisieren, begehbar und erlebbar zu machen. Dies ist Sinn und Zweck des länderübergreifenden Hugenotten- und Waldenserpfades.

Doch was hat es mit den Hugenotten und Waldensern auf sich und wie kam es, dass die Glaubensmigranten auf ihren Fluchtwegen auch in den Odenwald und in den Krauchgau vordrangen? Eine kleine Zeitreise führt zurück in die Kurpfalz um 1700 ... – Die Neuzeit Europas ist eine von konfessionellen Konflikten geprägte Geschichte. Im Wechselspiel landesherrschaftlicher Mächte provozierte die Vertreibung anders denkender Minderheiten Migration, also Aus- und Einwanderungen, und rief damit nicht zuletzt eine kulturelle Durchmischung hervor.

Ab 1685 erreichten die Verfolgungen unter Ludwig XIV. einen Höhepunkt. Glaubensflüchtlinge zerstreuten sich in alle Winde. Allein an die 30.000 Hugenotten, wie man die französischen Protestanten nannte, flüchteten in Deutschlands Süden, unter ihnen auch Waldenser aus dem Pragelatal. 1698 wurden nochmals 3000 Waldenser unter französischem Druck aus dem Piemont vertrieben und wanderten ihrerseits nach Südwestdeutschland. Manch ein protestantischer deutscher Landesfürst ermöglichte ihnen einen Neubeginn. So entstanden ab 1699 Waldensersiedlungen beispielsweise im Herzogtum Württemberg oder bei Karlsruhe, in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und anderen südhessischen Territorien. Den Kraichgau und den Odenwald erreichten die Migranten ebenfalls. In der Kurpfalz wurden Langenzell und der Biddersbacher Hof bei Lobbach im Kleinen Odenwald ab 1687 von Waldensern aus dem Pragelatal und Hugenotten aus dem Queyras besiedelt, und auch in Meckesheim hielten sich Glaubensflüchtlinge auf. Doch es war unsicheres Terrain. Zweimal mussten die Siedler wieder vor den einrückenden Franzosen fliehen.

Auch in der Kurpfalz wehte bald der Geist Ludwigs XIV. Bereits 1685 war der katholische Kurfürst Philipp Wilhelm an die Macht gekommen und löste die protestantische Kurpfalzdynastie ab. Sein 1690 nachfolgender Sohn, Kurfürst Johann Wilhelm, etablierte eine unnachgiebige Konfessionspolitik, angetrieben von absolutistischem Herrschaftsideal und streng katholischer Überzeugung. Nach und nach schaffte er Sanktionen gegen andersgläubige Untertanen, verstärkt ab 1697; eine Art „Gegenreformation“ begann.

Als einige der 1688 vor den Franzosen geflohenen Waldenser und Hugenotten ab 1690 in den Raum Langenzell zurückkehrten, wurden sie vom Kurfürsten zunächst noch toleriert. Als sie 1698, fünf Jahre nach ihrer 1693 vorgenommenen zweiten Flucht, erneut wiederkommen wollten, versagte ihnen Johann Wilhelm den Neubeginn. Im Territorium des katholischen Hardliners war jetzt kein Platz mehr für Waldenser und Hugenotten. Erst 1705 musste Kurfürst Johann Wilhelm unter dem Druck protestantischer Mächte mit der "Religionsdeklaration" die Duldung von Reformierten und Lutheranern beschließen, wenngleich dies mit wirtschaftlichen Vorteilen der Katholiken verbunden blieb.

Übrigens… Wenn Sie bald mal wieder Kartoffeln essen, denken Sie daran: Diese einst exotische Ackerfrucht wurde in Südwestdeutschland erst von waldensischen Migranten eingeführt, ebenso wie die Luzerne und der Tabakanbau in der Rheinebene!


Den Webauftritt des europäischen Fernwanderweges finden Sie hier. Darin gibt es auch einen Beitrag des Weblog-Autouren zu den historischen Routen im Bereich des Übergangs vom nördlichen Kraichgau zum Odenwald: HAHL 2010, Fluchtwege der Toleranz

26.11.2011

Wanderbuch mit Hand und Fuß

Mit dem Autor Carsten Wasow, hauptberuflich als Kartograph beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung wirkend, legt hier einer ein Wanderbuch mit Hand und Fuß vor.

Die Routen durchkreuzen das Wanderreich Odenwald, sind sehr gut ausgewählt und exakt wiedergegeben, die Karten und Overlays sind vorbildlich, die Streckendaten exakt und übersichtlich und die Texte lesen sich fließend und klar, garniert mit aussagekräftigen Fotos.

Sehr gut ist auch der kurze einleitende Teil mit Backgrounds zum System der Wanderwege und Wanderkarten im Odenwald sowie die zeitgemäße Kurzübersicht zur Wander- und Tourenplanung mit digitalen Karten und GPS-Tracks.

Oberste Sahne dieser Wanderbuch-Rezeptur ist freilich das Grundkonzept, nach dem hier fast 60 Wandertouren mit Bus und Bahn entwickelt wurden. - Ich vergebe schon mal fiktiv das bislang nicht vorhandene "Nachhaltigkeitszertifikat" für dieses ausnahmslos empfehlenswerte Odenwaldwanderbuch.

Bloß ein wenig unverständlich bleibt, dass die Hüter der Busse und Bahnen bislang noch nicht mehr auf diesen Zug aufgesprungen sind ...

08.07.2011

Wandern zwischen Trend und Tradition

Kleiner Wanderessay anlässlich des
hundertsten Geburtstags der OWK-Ortsgruppe Waldbrunn

Zum Gelingen einer Feier auf dem Katzenbuckel anlässlich des hundertjährigen "Geburtstags" des Odenwaldklubs Waldbrunn trug auch das Projektbüro proreg, Michael Hahl, mit einer Geotour über den "Feuerberg" bei. Die erste Vorsitzende der OWK-Ortsgruppe konnte "Mitstreiter" aus vielen anderen Ortsvereinen begrüßen, unter anderem aus Amorbach, Buchen, Walldürn und Mosbach. Die Exkursion war somit sehr gut besucht und bei den vulkanologischen Kurzvorträgen des Geographen und Geologen scheint der Funken durchaus übergesprungen zu sein ...

Dass der Katzenbuckel nicht nur der höchste Berg des Odenwaldes, sondern auch geotouristisch ein echtes Highlight ist, wurde dem längst erloschenen Feuerberg bereits in der wie immer kurzweiligen Ansprache von Landrat Dr. Achim Brötel attestiert. - Einhundert Jahre OWK Waldbrunn! Dieses Jubiläum ist wahrlich geschichtsträchtig und beachtlich. Auch das Projektbüro proreg gratuliert der OWK-Ortsgruppe Waldbrunn, vor allem der engagierten Vorsitzenden Helgard König!

Zum runden Geburtstag eines örtlichen Wandervereins seien hier noch ein paar schweifende Gedanken auf einen essayistischen Trampelpfad zwischen Trend und Tradition des Wanderphänomens geschickt - ein Blick zurück, ein Blick nach vorne ...

Fraglos - den Wandervereinen fehlen junge Mitglieder, wie auch die Vorsitzende des OWK Waldbrunn und der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises reflektierten. Dass dies viele Gründe hat, wurde in den Ansprachen ebenso angedeutet. Diese Entwicklung liegt mit Sicherheit nicht am mangelnden Engagement vieler OWK-Ortsgruppen. Vielmehr schlägt das Pendel der Lebensstile seit Jahren schon verstärkt in Richtung Individualität, und dieser Trend trifft eben in hohem Maße auch unsere Wandervereine.

Wandern ist zwar seit den 1990ern wieder zu einer touristisch höchst bedeutenden Marke geworden, wie etliche Studien belegen, dennoch führt die neue Begeisterung für den Gehgenuss in naturnahen Landschaften nicht zu einer Zunahme der Wandervereinsmitgliedschaften, wie dies noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war.

Dokumentiert ist: Rund 40 Millionen Deutsche wandern. Das sind über 55 % der Bevölkerung. In den Wandervereinen organisieren sich maximal 3-4 % der Bundesbürger. Fazit: Weit über 90 % der deutschen Wanderer praktizieren das Wandern am Anfang des 21. Jahrhunderts lieber vereinsfrei. Das derzeitige Durchschnittsalter der in den Vereinen organisierten Wanderer macht die Prognose eines weiteren Mitgliederschwundes in den nächsten 20 Jahren zum wohl unumgänglichen statistischen Faktum, sofern nicht – was soziologisch kaum zu erwarten ist – eine Trendwende zu anderen Konsequenzen überleiten sollte. Aus der Trendforschung, die zunehmende Individualität, Selbsterfahrung und „Selfness“ prognostiziert, ist jedenfalls keine Änderung dieser Marschrichtung auszumachen.

Individualität schlägt Vereinsmeierei? Dies sind sicherlich nur Schlagworte ohne allzu großen Aussagewert. Doch man kommt nicht drum herum: Die Wandervereine scheinen heute längst nicht mehr als Attraktoren für nachrückende Wandergenerationen tauglich, selbst wenn Manuel Andrack in seinem neuen Gehkultbuch dazu aufruft, den Wandervereinen beizutreten.

Somit findet sich fraglos auch die Planungs- und Umsetzungskompetenz seit langem nicht mehr allein bei den Wandervereinen, sondern deckt im Zeitalter der Wissensgesellschaft vielfältige Aktivitäten ab und bietet nicht nur GPS-Freaks jede Menge Spielräume irgendwo zwischen wandersportlichem Ausschritt und digitalem Auftritt sowie etlichen Profis und Experten neue und innovative Dienstleistungsfelder. Mit dem Wandertrend unserer Tage geht eine neue Professionalisierung einher, etwa im Bereich der Wegeplanung, des Marketings oder der Navigation - von der ausufernden Outdoorbranche für Bekleidung und Ausstattung gar nicht zu sprechen.

Dadurch ist natürlich auch der Versuch einer Marktpositionierung, welcher die vereinseigene Phalanx als alleinigen Ansprechpartner für alle wandertouristischen Belange präsentieren möchte, längst überkommen. Hier ist heute auf allen Seiten Wettbewerbsethik gefordert, bei Planungsbüros ebenso wie bei den unternehmerischen Zweigstellen in den regionalen Vorstandschaften einiger deutscher Wanderklubs, die gerne und verdientermaßen mit traditioneller Ehrenamtlichkeit kokettieren, parallel dazu aber einen dem Markt durchaus entsprechenden, mit Tagessätzen honorierten Dienstleisterweg einschlagen – eine Ambivalenz, die den freien Markt manchmal etwas ad absurdum führt und vielleicht im Lauf der kommenden Jahre erst noch weiter zur eindeutigen unternehmerischen Profillinie zurecht wachsen muss.

Letztlich können ja gerade aus der Dienstleistungsvielfalt wirklich neue Wege der Produkt- und Qualitätsentwicklung in den Wanderdestinationen entstehen. Für den Tourismusmarkt wäre es schlichtweg kontraproduktiv, nicht vereinsgebundene Mitbewerber vom Spielfeld zu schicken, damit die einflussreiche Liga der Wandervereine am Ball bleiben kann. Dienstleister und Auftraggeber müssen erkennen, schätzen und differenzieren lernen, was für die Wanderinfrastruktur bereits von Vereinen geschaffen wurde und was für die innovative Entwicklung nun auch von vereinslosen Anbietern geleistet werden kann und – aufgrund der neuen gesellschaftlichen Verhältnisse und Trends - auch zunehmend geleistet werden muss.

Zu dem jedenfalls, was im Odenwald bereits geleistet wurde, haben die wanderfreudigen OWK-Ortsvereine über Jahrzehnte hinweg ganz wesentliche Beiträge vollbracht - und diese Beiträge sind und bleiben bedeutend und ihrer Bedeutung angemessen zu würdigen! "Das Heute halte die Vergangenheit umschlungen mit der Erinnerung, und die Zukunft mit der Sehnsucht", schrieb einst Khalil Gibran. Auch wenn das Heute längst vielfältiges Wanderneuland jenseits der Vereinstätigkeiten erschlossen hat, so hat die Vergangenheit dennoch ihre Spuren - und Infrastrukturen - hinterlassen und erweist sich gerade an einem so beachtlichen Jubiläumstag wie dem des hundertjährigen Ortsvereins Waldbrunn als sehr lebendig. Und dies nicht zuletzt durch eine engagierte Vorsitzende wie Helgard König, die in ihrer Ansprache das Gestern in die Gegenwart zurückholte, indem sie mit einer kleinen Zeitreise anhand alter Presseberichte das Gründungsjahr 1911 und die Dimension von einhundert Jahren Vereinsaktivität begeisternd veranschaulichte.

Ob die Wandervereine auch in Zukunft frischen Wind bekommen und neue Formate schaffen, wie beim Deutschen Wanderverband ja durchaus zu beobachten, oder ob der Drang einer Internetgeneration - die übrigens keineswegs von der Natur abgewandt sein muss - zu individuellen und offenen Strukturen führen muss ... - nun, letztlich wird es nur eine zeigen können: die Zeit.

Fotos: OWK (mit freundlicher Genehmigung)

20.07.2010

Dem Neckar auf der Spur

Wandern und staunen am neuen Eberbacher Naturpark-Pfad

Gemächlich fließt der Fluss vorbei an steilen Bergflanken, mittelalterlichen Burgen, idyllischen Dörfern und lebendigen Städtchen. Nichts im romantischen Neckartal scheint an die gewaltigen Kräfte zu erinnern, die seinen Lauf stets veränderten, an das Jahrtausende und Jahrmillionen alte Wechselspiel aus Hebung und Absenkung ganzer Landstriche, an die Anzapfung eines südwärts fließenden Stromes, eine Flussumkehr, die Bildung von Neckarschleifen und deren Abschnürung. – Die Flussgeschichte hat ihre Spuren nirgendwo so markant und vielfältig hinterlassen wie in der Landschaft um Eberbach. An keinem Abschnitt des Flusstals erleben Sie die Zeugnisse der Neckarentwicklung so eindrucksvoll wie hier. Am Eberbacher Pfad der Flussgeschichte entdecken Sie den uralten Neckar ganz neu!

Der Themenweg wurde vom Naturpark Neckartal-Odenwald und der Stadt Eberbach mit Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg, der Glücksspirale und der EU eingerichtet. Initiiert, geplant, textlich bearbeitet und wissenschaftlich begleitet wurde der geotouristische Wanderpfad von Michael Hahl, Inhaber des geographischen Projektbüros proreg mit Sitz in Waldbrunn am Katzenbuckel. Die grafische Umsetzung der Illustrationsvorlagen übernahm Gabriele Henn. Der Pfad der Flussgeschichte will die Gäste Eberbachs, Wanderer und Bildungstouristen, Aktivurlauber und ganze Familien, ebenso ansprechen wie einheimische Entdecker oder auch Schulklassen und Studenten.

Auf einem etwa zehn Kilometer langen, landschaftlich ungewöhnlich attraktiven Rundweg, der allen wandertouristischen Qualitätskriterien entspricht, durchstreift man hier einen Landstrich voller Überraschungen. Auf 15 Tafeln wird die geologische und flussgeschichtliche Entwicklung des Neckars eindrucksvoll und verständlich dargestellt. Die Route beginnt am altehrwürdigen Thalheimschen Haus, Sitz des Eberbacher Naturparkzentrums in der Kellereistraße, und verläuft zunächst durch die Altstadt. Vier Tafeln im mittelalterlichen Stadtbild zeigen, dass Eberbach immer eng mit dem Fluss verbunden war und heute noch ist.




Dann führt der Naturpark-Pfad bergauf in die herrliche Kulturlandschaft auf den Breitenstein. Hier entdeckt man Umlaufberge, die einst von Neckarschleifen umzogen wurden, sowie weitere frühere Talböden des Neckars. Man erkennt, warum das markante Eberbacher Neckarknie Überbleibsel einer Flussanzapfung ist und wie der junge Neckar sein Einzugsgebiet im Lauf der Jahrmillionen sukzessive erweitern konnte.

Natur und Kulturlandschaft, Altstadtflair und Wandergenuss sowie die erstaunliche Entwicklung der Landschaftsformen im Neckartal lassen sich am Pfad der Flussgeschichte gleichermaßen erleben. Und im Anschluss bietet die Gastronomie auf dem Breitenstein oder in der Eberbacher Innenstadt jede Menge Gaumenfreuden und ein kühles Getränk, regt zu einem Einkaufsbummel oder Museumsbesuch an. Die Anreise zum Pfad der Flussgeschichte ist mit der S-Bahn, mit dem Pkw oder auch mit einem Neckarschiff möglich. Weitere Informationen erhalten Sie unter Telefon 06271-87242 oder E-Mail tourismus@eberbach.de bei "Kultur - Tourismus - Stadtinformation" im Eberbacher Rathaus. Dort können Sie auch den neuen Imageprospekt zum "Pfad der Flussgeschichte" bestellen.

Fotos / Copyright: Michael Hahl 2010

20.03.2010

Zukunftsmarkt Wandern

Am 12. März wurden die ersten Ergebnisse aus einer repräsentativen Untersuchung zum Wandermarkt auf der ITB vorgestellt. Fachlich umgesetzt wurde die Studie vom Europäischen Tourismusinstitut an der Universität Trier (ETI).

Die emprisch umfassend ermittelte Studie klopft etliche Daten und Zahlen fest und formuliert Zukunftsthesen, um zielgruppengerechte Wanderinfrastruktur effektiv planen zu können. Wirtschaftliche Auswirkungen, Wandermotive und Lebensstilgruppen werden beleuchtet. Damit schafft die Studie ein weiteres wertvolles Instrumentarium sowohl für wandertouristische Planungs- und Projektbüros als auch für die Tourismusverbände der Wanderdestinationen oder solcher Regionen, die es werden wollen. Aus der geographischen Perspektive betrachtet sollte die neue Grundlagenuntersuchung natürlich auch in den Universitätsbibliotheken der Sparte Freizeit- und Tourismusgeographie nicht fehlen.

Auf den ersten Blick fallen mir zwei wichtige Thesen aus der Studie auf - nicht wirklich neu, aber aufs Neue bestätigt: Die Professionalisierung des Wandermarkts muss weiter voranschreiten, das heißt nicht nur ehrenamtliche Mitglieder der Wandervereine sollten die Verantwortung für die Wegeinfrastruktur tragen, weitere professionelle Wanderkompetenz ist ratsam und erforderlich. Und: Um auf dem deutschlandweiten und internationalen Wandermarkt wettbewerbsfähig zu sein, muss konsequent in Qualität und Qualifikation investiert werden.

Eine 36-seitige Druckversion mit den wichtigsten Studienergebnissen aus der Grundlagenuntersuchung kann unter dem Titel "Zukunftsmarkt Wandern" beim Deutschen Wanderverband kostenpflichtig angeordert werden.


Links zur ITB-Vorstellung der Studie:
http://www.eti.de/presse.php?content%5Bsession-objectID%5D=4666&content%5Brequest-template%5D=news-view-public
http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/PM_6_Ergebnisse_Grundlagenuntersuchung.pdf


Edit 18. Oktober 2010:
Die Langfassung des Forschungsberichts zur Grundlagenuntersuchung "Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern" finden Sie seit September 2010 nun hier - als download: http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=362296.html
Sobald ich einmal zeitlich dazu kommen sollte, werde ich auch eine etwas detailliertere Stellungnahme zum Forschungsbericht verfassen. Die Studie bietet durchaus einige weitere interessante Aspekte, um noch mehr Klarheiten im Wandertourismus-Segment zu schaffen. Pflicht-Background für Projektstudien und Beratungen!

02.02.2010

Projekt Neckarsteig

Chance für den regionalen Wandertourismus

Aktuelle Pressemeldung des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis und des Naturparks Neckartal-Odenwald:

"Vertreter von 14 Städten und Gemeinden, der jeweiligen Tourismusverbände, des Odenwaldklubs und des Naturparks Neckartal-Odenwald haben sie kürzlich im Ratssaal der Stadt Eberbach gemeinsam aus der Taufe gehoben: die „Interessengemeinschaft Neckarsteig“. Mit der klaren Zielsetzung, dem Wandertourismus neue Impulse zu geben. „Allein die Tatsache, dass hier so erstaunlich viele Kommunen und Tourismusorganisationen vertreten sind, beweist das große Interesse am Projekt „Neckarsteig“, freute sich Landrat Dr. Achim Brötel (Mosbach), der als Naturparkvorsitzender die Sitzung leitete.

Unter Federführung des Naturparks wird, wenn sich das Projekt tatsächlich verwirklichen lässt, entlang des Neckars und über die angrenzenden Höhen in absehbarer Zeit ein Qualitätswanderweg entstehen, der nach den Gütekriterien des Deutschen Wanderverbandes zertifiziert werden soll. Die Idee dazu stammt von dem in Eberbach lebenden Triathlon-Doppel-Europameister Timo Bracht. Der erlebt die Schönheit und Vielfalt seiner heimischen Trainingsstrecken beinahe täglich und wollte damit im wahrsten Sinne nicht „hinter dem Berg“ halten. Bürgermeister Bernhard Martin aus Eberbach erkannte sofort das enorme Potenzial der Idee, die Schönheit des Neckartals einer noch breiteren Öffentlichkeit nahe zu bringen, und versammelte deshalb zusammen mit dem Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises und dem Naturpark alle Beteiligten an einen Tisch.

„Um im heiß umkämpften Wandermarkt punkten zu können, kommt es heute mehr denn je auf Qualität an“, erklärte Michael Hahl, der die entsprechende Projektstudie zum Neckarsteig erstellt hat, bei dieser Sitzung: „Eine Zertifizierung ist kein rein bürokratischer Akt, sondern bietet dem Wanderer die Gewähr, dass wirklich alles passt – von der attraktiven Streckenführung über eine „unverlaufbare“ Beschilderung bis hin zu Rast- und Einkehrmöglichkeiten.“ Die Resonanz der Gemeinden ist durchweg positiv. Auch der Odenwaldklub, der eng in die Konzeption und Realisierung des Projekts mit eingebunden sein soll, steht klar hinter dem Neckarsteig, wie OWK-Vorsitzender Landrat a.D. Norbert Hofmann in Eberbach zum Ausdruck brachte.

Allerdings hat Qualität ihren Preis. Deshalb wurde in der gleichen Sitzung sehr offen auch über die finanziellen Aspekte gesprochen und verschiedene Kostenmodelle wurden diskutiert. Landrat Dr. Brötel fasste die Diskussion abschließend zusammen: „Bei einem so komplexen Projekt mit so vielen Beteiligten gibt es immer eine Fülle von unterschiedlichen Interessenlagen zu berücksichtigen. Auch wenn wir auf einem guten Weg sind: Über diese erste Gründungssitzung hinaus gibt es sicher noch weiteren Abstimmungsbedarf.“ Fest steht, dass das Projekt Neckarsteig weiter verfolgt werden wird. Ein Termin für ein nächstes Treffen der Interessengemeinschaft wurde schon für Anfang Mai ins Auge gefasst."

Quelle:
http://www.neckar-odenwald-kreis.de/url.php?/page/2629/skin/nok2

Edit Oktober 2011:

Das Projektbüro proreg hat eine umfassende Projektstudie (80 Seiten) und dem Entwurf eines Streckenverlaufs (zusammen mit Timo Bracht) für den projektierten Qualitätswanderweg "Neckarsteig" vorgelegt. Sie beinhaltet auch eine Fülle von wandertourismuswirtschaftlichen Vorschlägen und unternehmerischen Ideen und Impulsen.


Aktuell ist übrigens kein geographisches Planungsbüro, sondern der Dienstleisterzweig des Gesamt-Odenwaldklubs. Der Wanderverein übernimmt unter Federführung des Naturparks Neckartal-Odenwald und der Touristischen Gemeinschaft Odenwald TGO die Endauswahl und Markierung eines zertifizierbaren Streckenverlaufs.

Das Projektbüro proreg ist derzeit mit der textlichen und inhaltlich-konzeptionellen Erarbeitung eines Marketing- und Medienauftritts sowie mit der Einteilung der Tagesetappen beauftragt; dabei entsteht gegenwärtig insbesondere eine erste Broschüre zum Neckarsteig, an der auch der Eberbacher Naturfotograf Andreas Held mitwirkt. Die Broschüre wird im Januar 2012 auf der CMT veröffentlicht.