15.02.2013

Wege der Zukunft?

Mit meinem Projektbüro proreg biete ich Kommunen und Regionen ein kompetentes Umsetzungsmanagement an der Schnittstelle zwischen Wandertourismus und Regionalentwicklung. Dieser Artikel beschreibt einen innovativen Blickwinkel, mit dem große regionale Wanderwege für konsequent nachhaltige regionale Kreisläufe gestärkt und neue sozioökonomische Muster in Gang gebracht werden können. (Sie finden den Beitrag auch unter "Regionalentwicklung" auf der Website www.proreg.de .)

Genossenschaftlich oder als Gemeingut organisierte Wanderwege - Instrumentarium zukunftsfähiger Regionalwirtschaft

"... Wo die Wanderung zum Produkt, der Weg zur Marke umdefiniert wird, wird die Landschaft mit ihrem jeweiligen Charakter und ihrer Eigenart zur austauschbaren Kulisse. Und du als Wanderer wirst zum bloßen Kunden degradiert. Auf dem "Trendmarkt Wandern" zählt nur noch deine Kaufkraft. ..." So formuliert Ulrich Grober, Autor des Bestsellers "Vom Wandern", seinen Blickwinkel in einem Vortrag im Sommer 2012. Nicht ohne eine denkwürdige Alternative für das "Marketing" zertifizierter Wanderwege anzubieten, das sich in einer Nische jenseits des rein ökonomisch ausgerichteten Marktes bewegen könnte: "... Heute diskutiert man weltweit über die Rückkehr der "commons", der Gemeingüter. Ist nicht ein Weg ein klassisches, das klassische Gemeingut?"












Am 1. Wandersymposium der Lüneburger Heide, das im Juni 2012 zur Eröffnung des  Heidschnuckenwegs von Hamburg nach Celle stattfand, konnte ich zwar nicht teilnehmen, doch freundlicherweise ließ mir Ulrich die öffentliche Rede zukommen, um mir seinen innovativen Gedanken vorzustellen. - Grober ist ein Visionär und einmal mehr, wie so oft in seinen Publikationen und Büchern, die neben dem Wandern geradezu eine Gesamtschau ökologischer Lebensstile thematisieren, regt er zu neuen Perspektiven an. Seine Überlegung, einen zertifizierten Weg als Gemeingut zu entwickeln, mag auf den ersten Blick auf Unverständnis treffen, auf den zweiten aber zeigt sie eine mögliche, eine denk- und realisierbare Formatierung auf.

Von Ulrich Grobers Fokussierung angeregt, habe ich mir im letzten Jahr die groben Konturen der Idee, einen Wanderweg als "common" zu konzipieren, einmal näher betrachtet und konzeptionelle Überlegungen dazu angestellt, die ich mir auch für den Neckarsteig zwischen Wimpfen und Heidelberg - zu dieser Zeit noch auf der Suche nach einer Organisationsform - gut hätte vorstellen können. Generell stellt sich für unsere zertifizierten Wanderwege, insbesondere die großen "Regionalwege" ja mehr und mehr die Frage, wie sie sich auf dem immer ausgetreteneren, teils auch durch planerische Unsensibilität überfüllten deutschen Wandermarkt positionieren lassen und wie man ihre Qualitätsentwicklung dauerhaft koordinieren könnte; nicht selten fehlt das Bewusstsein und oft schlichtweg der Etat für Wegemanagement und Marketing. Schon aus diesem Blickwinkel heraus könnte eine neue Form von Trägerschaft den ein oder anderen Regionalweg in eine neue Zielrichtung lenken.












Meine Vision, ein Scenario: Eine große zertifizierte Regionalroute wird als Gemeingut oder ein eng daran angelehntes Format entwickelt und von einer breiten Bürgerschaft sowie engagierten regionalen Unternehmern getragen. Die Idee der "commons" hat viele Überschneidungen zu bürgergenossenschaftlichen Organisationsformen, die sich - wenngleich bislang erst selten praktiziert - auch als starke Alternativen im Tourismus und Marketing erweisen, gerade durch ihre Orientierung zur Gemeinschaftlichkeit und Solidarität, die sich im Rahmen der Stadt- und Regionalentwicklung mit ihren kommunalen oder regionalen Wirtschaftskreisläufen sehr gut umsetzen lässt. Folglich bietet sich die Überlegung an, einen großen Regionalweg - nennen wir diesen hier einmal "Regio-Steig" - als Projekt einer eingetragenen Genossenschaft (eG) aufzubauen.

Ein regionaler Zertifikatsweg kann, bürgergenossenschaftlich oder gemeingutwirtschaftlich entwickelt werden, um erstens realisierbare Optionen für Qualitätsentwicklung, Wegemanagement und Vermarktung anzubieten, zweitens um das Produkt durch eine solidarische Zuständigkeits- und Leistungsgemeinschaft zu stärken, drittens um dieses Produkt, den Weg also, optimal als Instrumentarium für regionale Wirtschaftskreisläufe nutzen zu können, wobei nicht der Wachstumsgedanke überbetont, sondern ökonomische Stabilität und gesellschaftliché Lebensqualität als zukunftsfähige Ziele definiert werden.

 

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